Um den Fernsehsender ARTE ging es bei einem von der Europa-Union Karlsruhe Stadt und Land e.V. veranstalteten Vortrag am Donnerstag, dem 8. Februar, in den Räumlichkeiten des Internationalen Begegnungszentrums (ibz) in der Karlsruher Kaiserstraße. Über 40 interessierte Gäste wollten ARTE kennenlernen.

Der Vortragende Werner Henn, konnte Einblicke aus erster Hand geben, da er ARTE seit dessen Sendebeginn 1992 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Ende vergangenen Jahres als Redakteur selbst mitgestaltet hat. Dabei begann Henn seinen mit zahlreichen Fotos und bewegten Bildern unterstützten Bericht mit der Einführung des Radios vor 100 Jahren. Spätestens mit der propagandistischen Nutzung als „Volksempfänger“ durch die Nationalsozialisten war klar, dass Massenmedien wie der Rundfunk auch im Sinne einer politischen Kommunikation ge- und missbraucht werden können. Auf dieser Erfahrung basiert das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland, der aus Gebührengeldern – und eben nicht durch Steuern – finanziert wird.

 

Die Initiative zur Gründung von ARTE ging aus einem Treffen zwischen Präsident Francois Mitterand und Kanzler Helmut Kohl im Rahmen des Gedenkens an den 1. Weltkrieg Mitte der 1980er Jahre in Verdun hervor: hier solle der Rundfunk als Zeichen des Friedens und der Völkerverständigung neue Akzente setzen. Allerdings wurde damals auch schnell klar, dass ein solches Ziel viele Hürden zu überwinden hatte, die in den unterschiedlich organisierten Ländern wurzelten: So konnte die Französische Seite mit „La Sept“ die Organisation eines bestehenden Senders einbringen, während auf deutscher Seite erst zwischen dem Bund und den Ländern einerseits und den Anstalten der ARD und des ZDF andererseits die Verantwortlichkeiten geregelt werden mussten. Ebenso konnte auf französischer Seite auf Sendefrequenzen von La Sept zurückgegriffen werden, während in Deutschland auch wegen des aufkommenden Privatfernsehens zu dieser Zeit zunächst keine Frequenzen frei waren.

 

Letztlich gelang aber am 30. Mai 1992 der Sendestart von ARTE: ein vollkommen neuer Ansatz – ein von zwei Ländern getragener Fernsehsender für das Publikum beider Länder – war aus der Taufe gehoben. ARTE kam hierbei seine Einbettung in die bestehenden Fernseh-Strukturen in Frankreich und Deutschland zugute. So kann ARTE etwa auf die internationalen Korrespondenten-Netzwerke deutscher und französischer Sender zurückgreifen. Aber auch bei der Frage, wann die Abendnachrichten gesendet werden könnten, musste genau hingeschaut werden: so wollte man nicht mit den Sendezeiten der Hauptnachrichten von ARD, ZDF und dem französischen Fernsehen konkurrieren und sendete schließlich erst um 20.30 Uhr mit dem Sendetitel „8 ½“. Aber auch was die Gestaltung der Sendungen anging, konnte Henn berichten, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit viele neue Ergebnisse lieferte: während die deutschen Mitarbeiter eher auf Präzision des zeitlichen Ablaufs achteten, legten die französischen Verantwortlichen oft den Fokus auf Ästhetik und Form. Insbesondere bei den Eigenproduktionen, wie etwa Übertragungen von Konzerten oder Theateraufführungen oder auch dem bekannten Trailer zum Sendeschluss, das menschliche Schafe beim Bockspringen zeigte.

 

Bis heute hat sich der Sender vielfach weiterentwickelt und ist mit zahlreichen Kooperationen mit weiteren europäischen Ländern, über ein rein französisch-deutsches Projekt hinausgewachsen. Zum Abschluss beantwortete Werner Henn noch Fragen aus dem Publikum, das seinen lebhaften und interessanten Vortrag mit großem Applaus bedachte.
 

Sebastian Wolf

16.01.2024 - Führung Bundesgerichtshof Karlsruhe

Am 16.01.2024 hatte eine Gruppe der Europa-Union Karlsruhe bei kaltem Wetter und strahlendem Sonnenschein die Gelegenheit, den Bundesgerichtshof in Karlsruhe zu besuchen! Der BGH ist das höchste Gericht der Bundesrepublik Deutschland in der ordentlichen Gerichtsbarkeit und die letzte Instanz in Zivil- und Strafverfahren.
Der BGH bildet seit seiner Gründung im Jahr das Recht fort. Seine Rolle erstreckt sich auch darauf, Entscheidungen der untergeordneten Gerichte zu überprüfen.

Das imposante Gebäudeensemble ist beeindruckend.

Von der ursprünglichen Bebauung existieren noch das Palais selbst und das Weinbrennergebäude, heute das ehemalige Gärtnerhaus. Heute beherbergt das Palais die Präsidentin, die Verwaltung des BGH und einige Zivilsenate.

Um dem steigenden Platzbedarf gerecht zu werden, wurden seit den 1950er Jahren Erweiterungen und Umbauten vorgenommen. Modernisierungen und Erweiterungen in den 2000er Jahren schufen Raum für die wachsenden Anforderungen des Gerichts. Die Gruppe besuchte Sitzungssäle, die größte Gerichtsbibliothek Deutschlands, das rechtshistorische Museum und die Außenanlage. Für Staunen sorgte, dass für Urteile im Namen des Volkes kein Bundesadler im Raum sein muss oder er frei gestaltet sein darf, wie der von Markus Lüpertz (siehe Bild).

Die BGH-Anlage war bis 1978 für die Bevölkerung zugänglich, doch nach Ereignissen wie dem Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback wurde sie durch eine Doppelzaunanlage geschützt. Entsprechend streng waren die Sicherheitsvorkehrungen, und wir durften grundsätzlich keine Fotos machen. Auf der Homepage des Bundesgerichtshofs finden Sie Bilder und viele interessante Infos.

Heute steht der BGH als Symbol für richterliche Unabhängigkeit. Hierbei wird von den Senaten mit der gleichen Ernsthaftigkeit eruiert, ob ein Autorennen mit Todesfolge ein Mord ist, oder ob in einem Nachbarschaftsstreit eine Birke gefällt werden darf. So bestätigte unsere überaus kompetente Gäste-Begleiterin Inka Klein: „Dafür sind Gerichte da!“

Désirée Fuchs