15.05.2024 - Die deutsche Wirtschaft und ihr Echo in Europa

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Europawochen 2024“ konnte die Europa-Union Karlsruhe Stadt und Land e.V. ihren Mitgliedern und Gästen einen besonderen Einblick in die jüngste Geschichte aus volkswirtschaftlicher Sicht bieten. Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden, Dr. Michael Kromer, und einigen einführenden Worten durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Sebastian Wolf, sprach im Gastdozentenhaus des KIT Dr. Jan Schymik von der Universität Mannheim, der sich intensiv mit der Wirkung von einzelstaatlichen wirtschaftspolitischen Maßnahmen und deren Wirkungen im europäischen und globalen Kontext auseinandergesetzt hat. Dabei ging er besonders auf die Situation in Deutschland zu Beginn der 2000er-Jahre ein, als sich Deutschland wirtschaftlich kaum weiterentwickelte und als der „kranke Mann“ Europas bezeichnet wurde. Die daraufhin von der Bundesregierung angestoßenen Reformen der Agenda 2010 hätten zwar das Beschäftigungsniveau in Deutschland signifikant gesteigert. Allerdings – so Dr. Schymik – ließe sich nachweisen, dass dies auf Kosten der europäischen Partnerländer geschehen sei, wo man infolgedessen Beschäftigungseinbußen zu verzeichnen hatte und auf Exportmärkten Verdrängungseffekte einstellten. Ähnliche Entwicklungen zeigte Dr. Schymik auch bei der staatlichen Industriepolitik – insbesondere bei der Subventionierung bestimmter Wirtschaftszweige – auf. Er plädierte daher für eine bessere Koordination zwischen den Mitgliedstaaten, um der Wirkung industriepolitischer Maßnahmen Europas – insbesondere auch im Wettbewerb mit den USA und China – zu höherer Wirksamkeit zu verhelfen. An den Vortrag schloss sich eine interessante Diskussion mit den Zuhörenden an, bei der Dr. Schymik auch zahlreiche Fragen beantwortete.
Sebastian Wolf

13.04.2024 - Botanischer Garten in Karlsruhe

Am 13. April 2024 organisierte die Europa-Union Karlsruhe eine sehr interessante Exkursion durch den Botanischen Garten Karlsruhe, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Verflechtungen des Hauses Baden im europäischen Hochadel. Die Führung wurde von Michael Börner, B.A., geleitet, der die Teilnehmer mit seinem tiefgreifenden Fachwissen und seinen mitreißenden Geschichten durch die Anlage führte. Als Überraschungsgast wurden wir zu Beginn von Frau Dr. Gisela Splett, Staatssekretärin im Ministerium für Finanzen, begrüßt, die die Bedeutung der Sanierung des Gartens für das Land Baden-Württemberg unterstrich und uns später auch u.a. die Schwierigkeiten bei der Restaurierung der gusseisernen Konstruktion der Pergola beim heutigen Weinhaus erläuterte, die nun bis 2026 fertig gestellt sein soll.            

Die Auswirkungen der beiden Weltkriege auf den Botanischen Garten waren unübersehbar, da sämtliche Gewächshäuser und beinahe der gesamte Pflanzenbestand bei Bombenangriffen zerstört wurden. Trotz dieser schweren Einschnitte wurden der Garten und seine Anlagen nach dem Krieg wieder aufgebaut und erstrahlen heute in neuem Glanz.

Unser Treffpunkt hinter der Kunsthalle markierte den Beginn einer faszinierenden Reise durch die Geschichte des Gartens. Wir lernten, dass der Botanische Garten im 18. Jahrhundert von Markgraf Karl Friedrich von Baden durch den Botaniker Carl Christian Gmelin angelegt wurde. Die historischen Pflanzenhäuser, erbaut von Residenzbaumeister Heinrich Hübsch, zeugen von der Tradition der höfischen Gewächshauskultur des 19. Jahrhunderts und wurden kürzlich liebevoll restauriert.

Besonders beeindruckend war die Erneuerung der drei Gewächshäuser, die nun in ihrer alten Pracht erstrahlen.

Während unseres Rundgangs durch den Garten wurden wir auf viele interessante Details aufmerksam gemacht, darunter die Geschichte des ehemaligen Mühlburger Stadttors, das heute als Eingangsbegrenzung zum Schlossgarten dient. Wir bewunderten die steinernen Figuren der Sphinx und entdeckten die geretteten Wandbilder des alten Hoftheaters, die nun in einer Mauer neben dem ehemaligen Stadttor eingelassen sind. Wir entdeckten Pflanzen und Blumen, alte Bäume, Figuren und erfuhren Geschichten zu den Theater- und Karpfenbrunnen.

Immer wieder lenkte uns Herr Börner geschickt zurück auf das Hauptthema der Führung: die Verflechtungen des Hauses Baden im europäischen Hochadel. Besonders erwähnenswert war der Einfluss von Lennart Bernadotte, einem adligen Unterstützer, der die Insel Mainau zu ihrem heutigen Glanz verhalf.

Der Höhepunkt der Führung war zweifellos der Besuch der sanierten Schaugewächshäuser. Wir bestaunten das "Kalthaus" mit seinen Kakteen und dem historischen Kaskadenbrunnen, sowie das majestätische "Palmenhaus" und das tropische "Warmhaus" mit seinen exotischen Pflanzen.

Insgesamt war die kurzweilige Führung eine bereichernde Erfahrung, die uns nicht nur die Schönheit des Botanischen Gartens näherbrachte, sondern auch einen Einblick in die Geschichte und die Verflechtungen des Hauses Baden im europäischen Hochadel gewährte.

Ein herzlicher Dank geht an Michael Börner und die Europa-Union Karlsruhe für diese schöne Veranstaltung!

 

Manfred Richter

25.03.2024 - Strassburg mit EGMR

Am 25. März 2024 begab sich die Europa-Union Karlsruhe gemeinsam mit 51 Teilnehmern auf einen Ausflug nach Straßburg. Der voll besetzte Bus, bereitgestellt vom Reiseunternehmen Trischan, machte sich am Morgen auf den Weg zu den geplanten Aktivitäten. Das Programm umfasste eine Stadtführung in Straßburg, gefolgt von einem Besuch des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

Die Exkursion begann mit einer fesselnden Stadtführung durch die historische Altstadt von Straßburg, ein UNESCO-Weltkulturerbe. Unser Gästeführer Klaus Gras beeindruckte mit seinem umfassenden Wissen über die Stadtgeschichte und sorgte mit seinen Geschichten und Anekdoten für eine kurzweilige Tour. Wir erkundeten wichtige Sehenswürdigkeiten, wobei Klaus Gras uns viele interessante Informationen über die Gebäude und die Geschichte der Stadt vermittelte. Besonders faszinierend war die Erklärung baulicher Besonderheiten und die Bedeutung des Äskulapstabs, eines Symbols der Heilkunst. Auf unserem Weg passierten wir auch bedeutende Orte wie das Gutenbergdenkmal und erhielten Erläuterungen zu historischen Persönlichkeiten wie Napoleon, Liebenzeller und Goethe.

Unser Spaziergang endete am imposanten Münster, der Cathédrale Notre-Dame. Einige Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, die Altstadt weiter zu erkunden, während andere sich zum Mittagessen im Restaurant Le Gruber trafen.

Nach einer erholsamen Mittagspause fuhr der Bus bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dort erwartete uns eine informative Führung, bei der wir zunächst einen Film über die Aufgaben des EGMR sahen. Anschließend erläuterte uns Herr Rosenfeld, ein abgeordneter Jurist aus Karlsruhe, in einem imposanten Sitzungsaal die Arbeit des Gerichtshofs und beantwortete unsere Fragen. Besonders beeindruckend war die Information, dass der EGMR derzeit rund 65.000 Beschwerden bearbeitet.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wurde 1959 in Straßburg gegründet, um die Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention sicherzustellen. Seine Urteile sind bindend und haben Regierungen dazu veranlasst, Gesetze und Verwaltungspraktiken in vielen Bereichen zu ändern.

Nach einem harmonischen und ereignisreichen Tag kehrten wir gegen 18:30 Uhr nach Karlsruhe zurück, voller neuer Eindrücke und Erkenntnisse über Straßburg und die Bedeutung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

Für weitere Informationen über den EGMR besuchen Sie bitte die offizielle Website dazu oder lesen Sie den entsprechenden Wikipedia-Artikel.

Weitere Quellen:

Die Organisation des EGMR - Portal (coe.int)
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte – Wikipedia

Manfred Richter

08.02.2024 - ARTE - der europ. Kulturkanal

Um den Fernsehsender ARTE ging es bei einem von der Europa-Union Karlsruhe Stadt und Land e.V. veranstalteten Vortrag am Donnerstag, dem 8. Februar, in den Räumlichkeiten des Internationalen Begegnungszentrums (ibz) in der Karlsruher Kaiserstraße. Über 40 interessierte Gäste wollten ARTE kennenlernen.

Der Vortragende Werner Henn, konnte Einblicke aus erster Hand geben, da er ARTE seit dessen Sendebeginn 1992 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Ende vergangenen Jahres als Redakteur selbst mitgestaltet hat. Dabei begann Henn seinen mit zahlreichen Fotos und bewegten Bildern unterstützten Bericht mit der Einführung des Radios vor 100 Jahren. Spätestens mit der propagandistischen Nutzung als „Volksempfänger“ durch die Nationalsozialisten war klar, dass Massenmedien wie der Rundfunk auch im Sinne einer politischen Kommunikation ge- und missbraucht werden können. Auf dieser Erfahrung basiert das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland, der aus Gebührengeldern – und eben nicht durch Steuern – finanziert wird.

 

Die Initiative zur Gründung von ARTE ging aus einem Treffen zwischen Präsident Francois Mitterand und Kanzler Helmut Kohl im Rahmen des Gedenkens an den 1. Weltkrieg Mitte der 1980er Jahre in Verdun hervor: hier solle der Rundfunk als Zeichen des Friedens und der Völkerverständigung neue Akzente setzen. Allerdings wurde damals auch schnell klar, dass ein solches Ziel viele Hürden zu überwinden hatte, die in den unterschiedlich organisierten Ländern wurzelten: So konnte die Französische Seite mit „La Sept“ die Organisation eines bestehenden Senders einbringen, während auf deutscher Seite erst zwischen dem Bund und den Ländern einerseits und den Anstalten der ARD und des ZDF andererseits die Verantwortlichkeiten geregelt werden mussten. Ebenso konnte auf französischer Seite auf Sendefrequenzen von La Sept zurückgegriffen werden, während in Deutschland auch wegen des aufkommenden Privatfernsehens zu dieser Zeit zunächst keine Frequenzen frei waren.

 

Letztlich gelang aber am 30. Mai 1992 der Sendestart von ARTE: ein vollkommen neuer Ansatz – ein von zwei Ländern getragener Fernsehsender für das Publikum beider Länder – war aus der Taufe gehoben. ARTE kam hierbei seine Einbettung in die bestehenden Fernseh-Strukturen in Frankreich und Deutschland zugute. So kann ARTE etwa auf die internationalen Korrespondenten-Netzwerke deutscher und französischer Sender zurückgreifen. Aber auch bei der Frage, wann die Abendnachrichten gesendet werden könnten, musste genau hingeschaut werden: so wollte man nicht mit den Sendezeiten der Hauptnachrichten von ARD, ZDF und dem französischen Fernsehen konkurrieren und sendete schließlich erst um 20.30 Uhr mit dem Sendetitel „8 ½“. Aber auch was die Gestaltung der Sendungen anging, konnte Henn berichten, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit viele neue Ergebnisse lieferte: während die deutschen Mitarbeiter eher auf Präzision des zeitlichen Ablaufs achteten, legten die französischen Verantwortlichen oft den Fokus auf Ästhetik und Form. Insbesondere bei den Eigenproduktionen, wie etwa Übertragungen von Konzerten oder Theateraufführungen oder auch dem bekannten Trailer zum Sendeschluss, das menschliche Schafe beim Bockspringen zeigte.

 

Bis heute hat sich der Sender vielfach weiterentwickelt und ist mit zahlreichen Kooperationen mit weiteren europäischen Ländern, über ein rein französisch-deutsches Projekt hinausgewachsen. Zum Abschluss beantwortete Werner Henn noch Fragen aus dem Publikum, das seinen lebhaften und interessanten Vortrag mit großem Applaus bedachte.
 

Sebastian Wolf

16.01.2024 - Führung Bundesgerichtshof Karlsruhe

Am 16.01.2024 hatte eine Gruppe der Europa-Union Karlsruhe bei kaltem Wetter und strahlendem Sonnenschein die Gelegenheit, den Bundesgerichtshof in Karlsruhe zu besuchen! Der BGH ist das höchste Gericht der Bundesrepublik Deutschland in der ordentlichen Gerichtsbarkeit und die letzte Instanz in Zivil- und Strafverfahren.
Der BGH bildet seit seiner Gründung im Jahr das Recht fort. Seine Rolle erstreckt sich auch darauf, Entscheidungen der untergeordneten Gerichte zu überprüfen.

Das imposante Gebäudeensemble ist beeindruckend.

Von der ursprünglichen Bebauung existieren noch das Palais selbst und das Weinbrennergebäude, heute das ehemalige Gärtnerhaus. Heute beherbergt das Palais die Präsidentin, die Verwaltung des BGH und einige Zivilsenate.

Um dem steigenden Platzbedarf gerecht zu werden, wurden seit den 1950er Jahren Erweiterungen und Umbauten vorgenommen. Modernisierungen und Erweiterungen in den 2000er Jahren schufen Raum für die wachsenden Anforderungen des Gerichts. Die Gruppe besuchte Sitzungssäle, die größte Gerichtsbibliothek Deutschlands, das rechtshistorische Museum und die Außenanlage. Für Staunen sorgte, dass für Urteile im Namen des Volkes kein Bundesadler im Raum sein muss oder er frei gestaltet sein darf, wie der von Markus Lüpertz (siehe Bild).

Die BGH-Anlage war bis 1978 für die Bevölkerung zugänglich, doch nach Ereignissen wie dem Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback wurde sie durch eine Doppelzaunanlage geschützt. Entsprechend streng waren die Sicherheitsvorkehrungen, und wir durften grundsätzlich keine Fotos machen. Auf der Homepage des Bundesgerichtshofs finden Sie Bilder und viele interessante Infos.

Heute steht der BGH als Symbol für richterliche Unabhängigkeit. Hierbei wird von den Senaten mit der gleichen Ernsthaftigkeit eruiert, ob ein Autorennen mit Todesfolge ein Mord ist, oder ob in einem Nachbarschaftsstreit eine Birke gefällt werden darf. So bestätigte unsere überaus kompetente Gäste-Begleiterin Inka Klein: „Dafür sind Gerichte da!“

Désirée Fuchs