2013 - BERICHTE zu Mehrtagesfahrten



Zypernreise 5. 11. – 12. 11. 2013

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Reise auf eine geteilte Insel – Gibt es eine baldige Lösung?

Eine politische Nachlese

Der Kreisverband Karlsruhe Stadt und Land e.V. der Europa Union Deutschland reiste mit 70 Teilnehmern über Antalya nach Girne/Kyrenia in die nordtürkische Republik Zypern. Von dort unternahmen wir täglich Exkursionen auf der gesamten Insel. Nicht nur die zahlreichen Kulturstätten aus vielen Epochen waren unser Ziel, sondern vor allem die Begegnungen und Diskussionen mit der deutschen Botschafterin und ihrem Wirtschaftsattaché. Sehr außergewöhnlich für uns, der Empfang beim Präsidenten von Nordzypern. Der Bürgermeister von Gazimagusa (Famagusta) rundete die politischen Eindrücke, die wir sammeln konnten, ab.

 

Kurzbericht zur Geschichte der Teilung Zyperns

Zum besseren Verständnis möchte ich kurz den Ablauf der Teilung skizzieren, was auch unsere jeweiligen Gesprächspartner taten.

Die britische Kolonie Zypern wurde am 16. 8. 1960 unabhängig. Erster Präsident war Makarios.

1963 kam es während bürgerkriegsähnlicher Zustände zwischen den Volksgruppen der griechischen (80 %) und türkischen (20 %) Zyprioten zu Blutvergießen (ca. 600 Tote und viele Vermisste), sodass die UN Blauhelmsoldaten ins Krisengebiet entsandte. Es sollte ein vorübergehender Einsatz sein, der jedoch zum Dauerzustand bis heute geworden ist. Die Blauhelme kommen aus 30 Nationen. 1974 kam es zur Teilung der Insel in einen griechischen Teil, der Republik Zypern und türkischen Teil, Nordzypern von der Türkei gestützt. Die griechische Militärjunta wollte Zypern an das Mutterland anschließen. Hierauf schickte die Türkei Militär nach Nordzypern. Die UN schufen eine 270 km lange Pufferzone. Es kam zu einem ethnischen Auseinanderdividieren, Griechen im Süden, Türken im Norden. Der griechische Teil verlor wertvolle Anbaugebiete an den Norden. Mit einem geringeren Bevölkerungsanteil und schwacher Ökonomie hinkt der Entwicklungsstand Nordzyperns immer noch hinterher. Ohne die finanzielle Unterstützung der Türkei ist Nordzypern alleine nicht überlebensfähig. Rauf Denktasch, der türkisch zypriotische Präsident (darf außerhalb Nordzyperns nur als Volksgruppenführer bezeichnet werden) und der griech.- zypriotische Präsident Makarios III. konnten sich nach einer gescheiterten Verhandlungsrunde 1977 nicht auf Leitlinien zur Überwindung der Teilung einigen. Im November 1983 rief Denktasch die TRNC (Turkish Republic of North Cyprus) aus. 1985 wurde die neue Verfassung von der türkischen Volksgruppe angenommen. Seitdem verweigert die internationale Staatengemeinschaft dem Inselnorden die Anerkennung außer der Türkei. Lediglich der griech. Süden wird als Regierung der gesamten Insel anerkannt. Eine Vielzahl von Verhandlungsrunden scheiterte bis heute. Der Inselsüden ist nicht bereit, den Alleinvertretungsanspruch aufzugeben und den türkischen Zyprioten den verbrieften Status als gleichberechtigtes Staatsvolk zurückzugeben. Verschärft hat sich die Situation noch einmal 2004, als die UN mit dem Annan-Plan einen weiteren Anlauf unternahmen. Beide Präsidenten lehnten den Plan ab, mussten aber ein Referendum zulassen. Der türkische Teil nahm den Annan-Plan mit Zweidrittelmehrheit an, der griechische Teil lehnte ihn mit Dreiviertelmehrheit ab. Trotzdem nahm die EU 2004 die Republik Zypern (Griechen) auf massive Einflussnahme und Blockadehaltung seitens Griechenlands den Südteil der Insel als Mitgliedsland auf. Mit diesem Schritt wurde die Teilung der Insel zementiert. Ein Anreiz zur Wiedervereinigung war noch zusätzlich durch die Einführung des Euro nicht mehr vorhanden.

Seit 2004 ist die Grenze jedoch für die zyprische Bevölkerung offen. Türkische Zyprioten, deren Eltern in Zypern geboren sind, erhalten 2 Pässe und können so ins Ausland reisen. Allerdings dürfen zugewanderte türkische Zyprioten, die in der Türkei geboren sind, die Grenze nicht überschreiten.

Neuankömmlinge aus dem Mutterland müssen sowohl Aufenthaltsgenehmigung als auch Arbeitserlaubnis beantragen. Griech-zypr. Autos haben 3 Buchstaben als Kennzeichen, türk-zypr.

2 Buchstaben. Die Busse, die uns vom Flughafen abgeholt haben und uns im Nordteil herumfuhren, durften nicht in den Süden fahren, da Busunternehmer und Fahrer türkischstämmig waren. Für die Fahrten in den Süden konnten wir ein Busunternehmen in Anspruch nehmen, das in beiden Teilen fahren durfte.

Mittwoch, 6. 11. 2013 – Empfang bei der deutschen Botschafterin und dem Präsidenten der TRNC

Wie kompliziert der Grenzübertritt ist, erfuhren wir bei der Fahrt zum Goethe-Institut in der Pufferzone bei Lefkosia (Nikosia). Nach einer langen Wartezeit und mehrfacher Kontrolle der Listen und auch im Bus, wurden bei uns Erinnerungen an unsere Teilung BRD/DDR wach. Es tat weh, die zerfallenen ehemals prächtigen Villen und Häuser in der Pufferzone zu sehen.

Freundlich wurden wir vom Leiter des Goethe-Instituts, Björn Luley, empfangen. Das Institut wurde 1961 eröffnet, zwischenzeitlich geschlossen und 1999 wieder eröffnet. Da es sowohl für griechische wie auch für türkische Zyprioten offen ist, erfreut es sich als Begegnungsstätte großer Beliebtheit.

Dann begrüßte uns die deutsche Botschafterin, Dr. Gabriele Guellil, eine junge, sehr agile und engagierte Frau, die kein Blatt vor den Mund nahm, die Fakten auf den Tisch legte. Ihr zu Seite stand der Wirtschaftsattaché aus dem Finanzministerium in Berlin. Er war sogar in Karlsruhe zur Schule gegangen. Seine Aufgaben umfassen die makroökonomische Betrachtung der Finanzkrise in der Republik Zypern und die Pflege der Wirtschaftsbeziehungen in beiden Teilen der Insel wie auch Vorbereitungen für eine Aufhebung der Teilung Zyperns.

Die deutsche Botschaft auf Zypern ist eine kleine Botschaft mit ca. 25 Mitarbeitern, einem Stellvertreter und einer Kulturreferentin. 1960 gegründet, begleitet die Botschaft den permanenten Konflikt und dieTeilung seit 1974. In Deutschland hingegen gibt es für Nordzypern nur eine ehrenamtliche Repräsentanz in München. Die Botschafterin führte aus, dass es sich de facto und de jure um zwei unterschiedliche Systeme handelt. Jedoch betrachte die Republik Zypern den Norden als Niemandsland. Es werde weder der Präsident noch das Parlament offiziell anerkannt. Der Präsident sei der Volksgruppenführer. Wörtlich betonte Frau Guellil, dass es jetzt oder nie gelingen müsse, den Knoten zu lösen. Ja-Sagen sei die Kunst in der derzeit spannenden Verhandlungsphase unter der Ägide des UN-Verhandlungsführers der UN, George Downer. Die beiden Präsidenten, Nikos Anastasiades (seit Feb. 2013) und Dervis Eroglu (seit April 2010) müssten ihre Blockadehaltung, das Schattenboxen aufgeben. Sie müssten 1974er Resolution der UN umsetzen und der Norden das Ankara-Protokoll, die Öffnung der Häfen. Kleine Zeichen der Hoffnung gäbe es mit dem neuen griech-zypr. Präsidenten. Jedoch stünden hinter den Präsidenten die Interessen von Großmächten, vor allem in der Sicherheitspolitik, aber auch im Bereich der Ausbeutung der vermuteten Gasfelder. Nicht umsonst bezeichnet man Zypern als den größten Flugzeugträger im Mittelmeer. Die Briten haben hier souveräne Stützpunkte. Die Libyeneinsätze wurden von hier aus geflogen. Hinter den griechischen Zyprioten stünden neben Griechenland, Russland, Frankreich, die EU und Israel. Hinter dem Norden neben der Türkei, Frankreich, die USA und Großbritannien .Für die EU sei auch der Beitritt der Türkei, der an der Zypernfrage scheitere, ein Thema. Die drei Kernbereiche, die einer raschen Einigung im Wege stünden, seien vor allem die Grundstücks- und Eigentumsfragen im Norden, ob es zu einer Neubesiedlung oder einer Entschädigung komme. Ganze Landstriche (Zitruszentrum) müssten zurückgegeben werden wie auch Varusha, die Geisterstadt bei Famagusta und ehemalige Touristenhochburg. Ein weiterer Punkt sei die Staatsangehörigkeit – wer ist Zypriot? Ebenso das Problem, ob es eine übergeordnete Regierung mit gemeinsamer Finanzpolitik geben solle. Ja-Sagen bedeutet, noch einen steilen, steinigen Weg vor sich zu haben. Trotzdem sei die Zeit jetzt endlich reif für eine Lösung, vielleicht bis 2015.

Anschließend fand der Empfang beim Präsidenten der Türkischen Republik Nordzypern, Dervis Eroglu, in dessen Regierungssitz statt. Dies war etwas Außerordentliches, das kaum einer Gruppe gewährt wurde. Er nahm Stellung zur Geschichte der Teilung und betonte, dass die Wiedervereinigung jetzt kommen müsse. Vorstellbar sei ein Staatenbund aus zwei souveränen Staaten. Hoffnung mache der Einschnitt in der südzyprischen Wirtschaft. 2012 war das größte Kraftwerk im Süden explodiert. Der Norden lieferte Energie in den Süden und hielt so die Wirtschaft aufrecht. Auch das Problem der Wasserversorgung ließe sich mit der neuen Wasserpipeline aus der Türkei entschärfen. Im Gegenzug sei die Ausbeutung der im Süden vermuteten Gasfelder eine gemeinsame profitable Aufgabe. Lobend erwähnte der Präsident das hohe Bildungsniveau der jungen Zyprioten an den 8 Universitäten.

Freitag, 8. 11. 2013-11-16

Nach einem Ausflug bis Limassol, der Hochburg der russischen Millionäre, wurden wir am Nachmittag in Gazimagusa (Famagusta) vom Bürgermeister, Oktay Kayalp, empfangen. Er schilderte den Aufschwung in seiner geteilten Stadt, die von Studenten und vor allem vom Tourismus lebe. Die EU mache mit der Stadtverwaltung Masterpläne zur Umweltproblematik und Müllentsorgung. Die Kanalisation sei bereits zu 60% fertig. Auch einzelne Projekte der Restaurierung der Altstadt würden von der EU unterstützt. Aber allein sei Gazimagusa nicht lebensfähig. Aus der Türkei kämen Wasser und Strom, Geld für Solaranlagen und Gasprojekte. Leider fehlten Geldmittel, um die geschichtsträchtige Kulturstadt Famagusta mit all ihren Kulturdenkmälern besser für den Tourismus bekannt zu machen. Es fehle auch an ausländischen Investoren. Seltsam war es für uns, dass es ein zweites griech-zypr. Rathaus gibt, denn es ist vollkommen funktionslos, da die griech. Bevölkerung dafür nicht vorhanden ist. Probleme bereite weniger die Landflucht als die vielen Flüchtlinge aus Afrika und Syrien. Die Arbeitslosenquote betrage 18 % und sei bei Jugendlichen viel höher. Viele seien deshalb zur Auswanderung gezwungen. Er hoffe dringend auf ein Vorantreiben der Friedensmission zur Aufhebung der Teilung. Davon verspräche er sich für seine Stadt einen nachhaltigen Aufschwung. Auch für die Geisterstadt Varusha müsse eine baldige Lösung gefunden werden, Er sei bereit, diesen Stadtteil an die Republik Zypern zurückzugeben Was würde jedoch die Kernsanierung und der Wiederaufbau kosten? Experten rechnen mit 2-4 Milliarden Euro, um innerhalb von 5 Jahren den alten Glanz der touristischen Hochburg wieder herzustellen.

 

Insgesamt überwiegt derzeit die Hoffnung, eine Einigung zu erzielen, nicht zuletzt durch die Finanzkrise in der Republik Zypern. Allerdings keimt auch durch diese Krise wieder verstärkt der Nationalismus auf. Einen gemeinsamen Neuanfang wie auch immer, als föderaler Staat oder Staatenbund hätte diese wundervolle Insel wahrlich verdient. Für Zypern müsste nach 30 Jahren der faktischen Zweistaatlichkeit ein Modell wie bei Ost-Timor über Kosovo und Süd-Sudan ein ähnliches Modell möglich sein. Die Vereinigung müsste dann im Rahmen eines sofortigen EU-Beitritts Nordzyperns auf einer völlig anderen Ebene stattfinden.

 

Kleines Reisetagebuch Zypernreise 05. 11. – 12.11 2013

Allgemeines

Für mich sind direkte Informationen vor Ort über Land und Leute ganz wichtig. So möchte ich es nicht versäumen, all das, das uns im Bus 2 unsere Reiseleiterin Celine weitergegeben hat, Ihnen zu vermitteln .Es ist selbstverständlich nur eine Momentaufnahme und kein vollständiges Bild.

 

Unser Standort war das „Oscar Resort“ bei der drittgrößten Stadt von Nordzypern Girne/Kyrenia  (ca. 33 0000 Einw.) Das „Oscar Resort“ ist eine direkt am Meer gelegene großzügige, gepflegte Anlage mit 3 Pools und einem kleinen Sandstrand. Allerdings gab es einen Wermutstropfen, das Wasser im Bad. Oft floss es nicht, vor allem zu Stoßzeiten morgens oder abends. Dies zeigt unter anderem auch, dass sich der Tourismus noch in der Aufbauphase befindet. Das Personal jedoch gab sich alle erdenkliche Mühe.

 

Mit 36 % der Gesamtfläche Zyperns und einer Gesamtbevölkerung von 286 560 inklusive Soldaten und türkischen Siedlern hat Nordzypern noch viel Platz. Es verfügt noch über viel unberührte Natur, Sandstrände und ein großes Naturschutzgebiet auf der Halbinsel Karpas. Dort kommen noch heute die Seeschildkröten zu Eiablage hin.

 

Agrarprodukte wie Zitrusfrüchte, Kartoffel, Tomaten, Oliven können nur in die Türkei oder über die Türkei ausgeführt werden. Es gibt praktisch kaum verarbeitende Industrie. Bei Girne/Kyrenia werden Produkte, vor allem Lederjacken, für die brit. Firma Burberry hergestellt. Es gibt auch wie bei uns Outlets. Export- und Importgeschäfte werden ausschließlich über die Türkei abgewickelt. Flüge von und nach dem Ausland führen stets über die Türkei. Die seit 30 Jahren unabhängige Republik Nordzypern hängt am Tropf der Türkei. Allerdings wurden erst kürzlich die Finanzspritzen verringert. Der Durchschnittsverdienst eines Facharbeiters/Beamten beträgt 1800-2000 Lira (2,7 Lira = 1Euro), ansonsten liegt der Verdienst zwischen 800-1000 Lira.

 

Mietwohnungen sind selten. Es werden eigene Häuser gebaut oder Wohnungen erworben. Bei der Hochzeit schenken alle Freunde und Verwandte und vor allem die Eltern den Brautleuten Geld für Wohn-Eigentum. Ein Bauplatz kostet 250 000, ein Haus 800 000.

 

Die Türkische Republik Nordzypern verfügt über 8 Unis. Es ist jedoch zu bemerken, dass die bei uns üblichen Fachbereiche einer großen Uni wie Medizin etc. stets eine eigenständige Uni bilden. Die Gebühren für Medizin, Zahn- und Tiermedizin sind am höchsten, aber es gibt auch viele Stipendien und einen großen Anteil an ausländischen Studenten. Noch wird nur in wenigen Schulen griechisch gelehrt. In Famagusta findet bereits ein Lehreraustausch statt, den 20 % der Lehrer nutzen. Alle Schüler lernen von der ersten Klasse an Englisch.

 

Junge männliche Zyprioten müssen 18 Monate Militärdienst leisten. Sie können allerdings davon befreit werden, wenn sie 3 Jahre im Ausland arbeiten und eine Abstandssumme von ca. 2000 Euro zahlen

 

Überall auf den Hausdächern fallen dem Besucher die Wassertanks auf, die auch der Warmwasseraufbereitung dienen. Es gibt zwar auf Zypern 6 Entsalzungsanlagen, aber dieses Wasser ist sehr teuer. Deshalb erfolgt die Entnahme aus Stauseen im Tróodos-Gebirge, solange dort Wasser vorhanden ist. Alle warten auf die Wasserpipeline aus der Türkei. Da das Leitungswasser kein Trinkwasser ist, fallen überall, insbesondere an den Straßen und auf Freiflächen, die Plastikwassserflaschen als Müllproblem auf. Hierfür müssten auch noch Lösungen für die Müllentsorgung gefunden werden

 

Eine neue Einnahmequelle hat Nordzypern mit den Spielcasinos entdeckt. Man nennt es bereits das Las Vegas der Türkei. In den 90er Jahren wurde in der Türkei das Glücksspiel verboten. Auch die türkischen Zyprioten dürften eigentlich nicht spielen. Alle großen Hotels haben ein luxuriöses Casino. Viele Türken und auch griech. Zyprioten kommen meist am Wochenende, um zu spielen. Wer das Casino besucht, kann umsonst essen und trinken.

 

Seit 30 Jahren ist die „Turkish Republic of North-Cyprus“ (TRNC) eine Präsidialdemokratie. Alle 5 Jahre wählen die türk. Zyprioten ihr Oberhaupt direkt. Das Kabinett umfasst 10 Minister, das Parlament 50 Abgeordnete. Es gibt keine religiösen Parteien. Die türkischen Zyprioten sind Sunniten in einem säkularen Staat. Auffällig ist, dass ein verschwindend geringer Anteil an Frauen ein Kopftuch trägt. Die Mehrheit ist nicht sehr religiös. Jeder kann seine Religion so ausüben wie er möchte.

 

Auf der Halbinsel Karpas gibt es 2 Dörfer, die nur von Maroniten aus dem Süden bewohnt werden. Über den Dörfern weht die hellblaue Flagge der UN.

 

Nimmt man all die Informationssplitter und die eigene Anschauung vor Ort zusammen, so kommt man zu der Einschätzung, dass nur eine baldige Lösung der Zypernfrage der Entwicklung des Nordens auf die Beine helfen kann.

 

Kurzer geschichtlicher Überblick

 

10 000 – 3800 v. Chr.   Kupfersteinzeit – Bronzezeit – Eisenzeit – Archaische Zeit (viele Eroberer)

490 –   380 v, Chr.   Klassische Zeit: Zypern Zankapfel zwischen Athen und Persien Alexander d. Große gibt Zypern 331 die Unabhängigkeit

350 - ca.   50   v. Chr.   Hellenistische Zeit

58 v. Chr. – 395 n. Chr. Römische Provinz

ab 45/46 n. Chr. Christianisierung

395 – 1191 Byzantinische Herrschaft

3. Kreuzzug: engl. König Richard Löwenherz erobert Insel

verkauft sie an Templerorden

Templer veräußern Zypern an französischen Adligen Guy de Lusignan

1192 – 1489 Herrschaft der Lusignan-Könige

1489 – 1571 Herrschaft der Venezianer

1878 – 1960 Britische Kolonie

 

Tag 1: Mittwoch. 06. Nov. 2013

  • Fahrt über Passstraße des Fünf-Finger-Gebirges und Mesaoria-Ebene nach Lefkosa/Nikosia
  • Grenzübertritt in Pufferzone zum Goetheinstitut
  • Treffen mit deutscher Botschafterin, Dr. Gabriela Guellil
  • Weiterfahrt zum Präsidentenpalast und Empfang beim Präsidenten, Dervis Eroglu
  • (siehe politische Nachlese)
  • Anschließend Fahrt nach Nikosia, der geteilten Hauptstadt.
  • Stadtrundgang im Altstadtbereich:
  • Girne Tor der Festungsanlage der Lusignan Herrscher, ehemals 8 Tore, von Venezianern verstärkt
  • Selimiye Moschee ehemalige Sophienkathedrale, französ. Gotik, der Lusignan Herrscher
  • Mittagessen im traumhaft schönen Innenhof der restaurierten Karawanserei Buyuk Han, Weltkulturerbe;
  • Landestypisches Mittagessen mit Hackfleischbällchen und Fladenbrot
  • Individueller Bummel in der Altstadt

Tag 2: Donnerstag, 07. Nov. 2013

Anmerkung:

Zypern ist eines der ältesten, christlichen Länder der Erde, denn die Apostel Paulus und Barnabas verkündeten hier das Christentum und bekehrten – so erzählt es die Apostelgeschichte – den römischen Statthalter im Juli 45 n. Chr. Somit ist Zypern apostolischen Ursprungs. Das erklärt auch die vielen wertvollen Basiliken mit ihren Fresken aus dem 6. bis 9. Jahrhundert

  • Alternativer Tagesausflug nach Larnaka/Limassol, Lazaruskirche, Hala Sultan Tekke: Grabmoschee, wichtige islamische Pilgerstätte; Besuch der Panayia Angeliktisti: eine der bedeutendsten byzantinischen Kirchen auf Zypern
  • Mittagessen am Meer: ausgezeichnete Fischspezialitätenplatte
  • Grabungsgelände von Chirokitia: eine der ältesten Siedlungen der Menschheitsgeschichte, mit
  • rekonstruierten Rundbauten
  • Bummel durch Limassol: zweitgrößte Stadt der Republik Zypern (180 000 Einw.): mediterranes Flair, attraktive Markthalle, ehemals Sitz des Templerordens, byzantinischer Bischofssitz, hier 1190 Eheschließung von Richard Löwenherz
  • Individueller Bummel

 Tag 3: Freitag, 08. Nov. 2013

  • Fahrt auf der Schnellstraße Nikosia-Famagusta:
  • Anmerkung: bis 1952 war dies eine Bahnlinie von den Engländern gebaut; heute keine Bahnlinie mehr auf Zypern; öffentlicher Verkehr durch Sammeltaxis, auch teilweise mit Zeitplan
  • Geschwindigkeitsbegrenzung auf Schnellstraße 100 kmh, bei Ortschaften 65-75 kmh
  • für Verkehrssünder 100 Punkte-System, verfallen nach 1 Jahr
  • Strafen je nach Punkten, mindestens 60-70 Euro
  • Im Osten: Zitrusfrüchte; im Westen: Kupfer
  • Name Cypros (Zypern) kommt von Cuprum (Kupfer)
  • Kupfer war in allen Epochen ein Grund für den Reichtum der Insel, aber auch Grund für die Abholzung - Engländer bauten Landwirtschaft weiter aus und Forstwirtschaft auf; legten bei Famagusta Sümpfe trocken mit Hilfe von Eukalyptusbaum-Bepflanzungen, Bäumen, die viel Wasser brauchen, auch Mimosenwälder
  • Heutiges Aufforstungsprogramm: Pinien und Kiefern
  • Besichtigung Barnabas Kloster und Grab. Seit 1976 gibt es dort keine Mönche mehr, heute Museum, vollkommen restauriert, schönstes, archäologisches Museum Nordzyperns
  • Besichtigung von Salamis und den römischen Ausgrabungen, u.a. der ehemaligen Luxusbäder, der Königsgräber, Thermen, Amphitheaters, Nekropolis. Einfach überwältigend
  • Das Zypern als Insel der Aphrodite wird hier wieder lebendig
  • Weiterfahrt nach Farmagusta; Besichtigung der Nikolauskirche, die zur Moschee umgebaut wurde
  • Mittagessen in einem ganz modernen Lokal
  • Spezialität: mit Käse gefüllte Putenfleischrolle mit Beilagen und Vorspeise
  • Empfang beim Bürgermeister von Farmagusta, Oktay Kayalp, (s. politische Nachlese)
  • Anschließend Bummel durch Famagusta und seinen spätmittelalterlichen Stadtkern, der fränkische Gotik mit venezianischem und osmanischem Erbe verbindet
  • mit Othello Turm, der als Schauplatz von Shakespeares Othello gilt, auch wenn der Verfasser dieses Dramas nie in Zypern war.
  • Verschiedene in Moscheen umgewandelte Kirchen mit der Konditorei Petek, die einen wahren Gaumen- und Augenschmaus bot;

Tag 4: Samstag, 09. Nov. 2013

  • Alternativausflug ins grüne Herz der Insel, das Tróodos-Gebirge
  • Besichtigung der weltberühmten byzantinischen Basilika von Asinos
  • Es ist eine kleine Kirche mit Scheunendach über dem eigentlichen Dach der Basilika, um vor Entdeckung zu schützen; als Weltkulturerbe warten in diesem Juwel atemberaubende Fresken aus dem 6. Jahrhundert. (für mich die schönste Kirche auf Zypern)
  • Tróodos-Gebirge: bewaldet und schroff:; im Sommer Luftkurort, im Winter Skigebiet mit 4 Skiliften;
  • Schmelzwasser, kleine Bäche, Wasserfälle und Stauseen liefern das notwendige Wasser,
  • Ohne das Tróodos-Gebirge wäre Zypern eine Wüste; höchster Berg: Olympos mit 1951 m;
  • Tróodos-Gebirge umfasst ein Drittel der Insel
  • Fauna: Mufflon, wenige Wildschweine, Fuchs, Hase, wilde Kaninchen, 360 Arten von Zugvögeln, 32 Arten von Reptilien davon 8 Schlangenarten, 1 schwarze Würgeschlange und drei tödlich giftige Vipern
  • Flora: Goldeiche, Schwarzkiefer 4 Sorten Pinien, Zedern, Zypressen
  • Zypern wurde mehrmals total abgeholzt für die Kupfergewinnung, den Schiffs- und Städtebau, die Holzkohle
  • 4000 v. Chr. wurde das Kupfer entdeckt, die Bevölkerung verdoppelt sich, Aufschwung,
  • Schmelzpunkt des Kupfers 1083 Grad Celsius, deshalb wurde viel Holzkohle benötigt
  • Später mischte man Kupfer mit Zinn = Bronze
  • Heutige Kupfermine gehört dem Erzbischof
  • Weiterfahrt zum berühmten, wichtigsten und reichen Kikko Kloster auf 1200 m Höhe, benannt nach einem Asketen, der der Legende nach die Tochter des Kaisers geheilt hat; 1 von 3 sehr alten, Ikonen soll Lukas gemalt haben; auch heute leben dort noch in der großen Anlage Mönche, Voraussetzung zur Aufnahme ist Abitur; sie betätigen sich auch als Lehrer und Mediziner
  • Makarios III Kapelle und unzählige Mosaik-Wandbilder mit viel Gold
  • Mittagessen hoch oben: Landesspezialität, Gemüsesuppe, gebratenes Lamm
  • Anschließend Fahrt nach unten in die Ausläufer des Tróodos-Gebirges; an den Südhängen wächst Wein; In das sehr malerische Weindorf Omodos; Besuch einer alten Weinpresse und Teilnahme an einer Weinprobe; der älteste Wein datiert aus dem 12. Jahrhundert 

Tag 5: Sonntag, 10. Nov. 2013

  • Fahrt nach St. Hilarion, bei Girne/Kyrenia; die besterhaltene Burg von drei Burgen im Norden; St. Hilarion 732 m hoch, Buffavento 936 m hoch, Kantar 625 m hoch;
  • Die Burgen standen in Sichtkontakt mit Kyrenia, Nikosia und Famagusta, um rechtzeitig ankommende Feinde zu melden. St. Hilarion war die Sommerresidenz der Lusignan Könige und bietet auf 3 Ebenen einen atemberaubenden Blick auf Girne und das Umland
  • Weiterfahrt nach Bellapais, eine der schönsten gotischen Abteien; eine Prämonstratenser Abtei im Stile der Lusignan Epoche; auffällig ist das Refektorium mit seiner besonderen Akustik; hier werden oft Konzerte dargeboten; der Ort ist sehr gepflegt mit vielen Blumen, Restaurants und Kneipen; hier trifft sich abends die „Schickeria“ von Girne und Nikosia; es gibt ein großes Musikfestival einmal jährlich
  • Der Schriftsteller Alexander Durrell lebte hier für Jahre und schrieb den Roman über Zypern „Bittere Zitronen“
  • Mittagessen in Girne/Kyrenia: in einem modernen Lokal landestypisches Essen mit Hackfleischspieß, Fladenbrot, Beilagen und Vorspeisen
  • Rundgang durch die malerische Altstadt von Girne/Kyrenia mit dem alten Hafen, dem Kastell, entlang am modernen Hafen auch für die Fährschiffe in die Türkei nach Mersin
  • Treffen mit dem Mufti in der historischen Moschee Imam Fuaf Tosun;
  • Bummel durch die Altstadt

Tag 6: Montag, 11. Nov. 2013

Alternativfahrt auf die Halbinsel Karpaz; endlos lange Dünenstrände, schönster Strand: Golden Sands; Nationalpark, hier auch Meeresschildkröten, die dort zur Eiablage kommen; freilaufende Esel; tausendjährige Kirchen; Besuch einer Olivenfabrik, die von der EU gefördert wird und Bioprodukte herstellt


Reiseteilnehmer spenden 1.500 Euro für ein SOS-Kinderdorf auf Zypern!

 

Obige Summe haben die Reiseteilnehmer der Zypernreise für das SOS Kinderdorf am Stadtrand der Inselhauptstadt gespendet.

 

Das SOS Kinderdorf wurde 1993 in Nordzypern gegründet und 1994 in die Gesellschaft der SOS Kinderdörfer aufgenommen. Die Kinder im Alter von 0-16 Jahre leben wie in einzelnen großen Familien. Sie besuchen den Kindergarten, die Vorschule und gehen in verschiedene öffentliche Schulen. Im Alter von 16 ziehen die Jugendlichen in eine Jugendeinrichtung in Kyrenia/Girne um und besuchen die High School oder Universität oder sie arbeiten. Einige gehen zum Militär. Im Alter von 20 sind sie in der Lage, ein fast unabhängiges Leben zu führen. Sie teilen sich zu zweit oder dritt ein Apartement für 3-5 Jahre. Sie werden noch von Sozialarbeitern beraten und betreut. Dann werden sie als volle Mitglieder der Gesellschaft in ein vollkommen eigenständiges Leben entlassen.

 

Auch engagiert sich die SOS Kinderdorf Organisation für Familien, die Hilfe benötigen, was sich als sehr erfolgreich herausgestellt hat.

 

Heute leben 74 Kinder im SOS Kinderdorf, 38 Jugendliche in der Jugendeinrichtung und 3 führen ein semi-unabhängiges Leben. Von der Familienhilfe profitierten 180 Familien und 452 Kinder. Derzeit werden 42 Familien und 106 Kinder betreut.

 

Diese Zahlen sprechen für sich und zeigen den hohen Wert dieser Einrichtung. Dass dies alles viel Geld kostet, leuchtet jedem sofort ein. Neben den laufenden Kosten muss ständig etwas repariert, erweitert oder verbessert werden. Jeder gespendete Cent wird verantwortungsvoll verwendet und dringend benötigt.

 

Die Teilnehmer unserer Reisegruppe haben ihre Geldbeutel frohen Herzens geöffnet. So konnte unser Reiseleiter, Nevzat Güney, die stolze Summe von 1500,-- Euro übergeben. Eine gute Sache! 

 

Gudrun Wiesmann

Vorstandsmitglied



25. - 27. 03. 2013 - zu Gast bei MdEP Caspary in Brüssel

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Drei Gruppen der Jungen Union Rhein/Neckar und 14 Mitglieder der Europa-Union Karlsruhe durften Dank einer Einladung von MdEP Daniel Caspary nach Brüssel folgen. Sein persönlicher Referent, Sven Maier, begleitete und betreute uns.

Ganz herzlichen Dank an ihn für drei schöne Tage in Brüssel!!

 

Johanna Krsch

Vorstandsmitglied