Mit tiefer Trauer erfüllt uns die Nachricht vom Tod von

Herrn Dr. Konrad Schwaiger
verstorben am  11.01.2021

Herr Dr. Schwaiger war von 2005 – 2008 Vorsitzender unseres Kreisverbandes. Er hat sich als überzeugter Europäer immer mit großem Engagement dafür eingesetzt, die europäischen Strukturen und Einrichtungen den Bürgern und  Bürgerinnen verständlich zu machen.

Kreisvorsitzende und Geschäftsführer (fortschreibend)

Informationsarbeit am Stand - wichtiger, unverzichtbarer Bestandteil unserer Arbeit über viele Jahre

Maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Arbeit und Entwicklung des Kreisverbandes auch in schwieriger Zeit hatten die Führungspersönlichkeiten, die den Verband gestalteten und prägten. Stellvertretend für viele Ungenannten seien hier erwähnt:

 

 

Kreisvorsitzende

1948 - 1950     Fridolin Heurich, Bürgermeister     

1950 - 1953     Karl Konz, Direktor, Stadtrat

1954 - 1972     Prof. Dr.Ing. Reinhold Glatz,  Rektor der Fachhochschule

1973 - 1977     Stud. Prof. Dipl.-Ing. Ferdinand Kusterer

1978 - 1985     Prof. Dr.Ing. Reinhold Glatz

1985 - 1999     Hanns-Christian Heyer-Stuffer

1999 - 2005     Dieter Scholl

2005 - 2008     Dr. Konrad Schwaiger

2009 - 2014     Hartmut Lorek

2015 - 2018     Heinz Golombeck
seit 2019          Massimo Ferrini

 

Geschäftsführer

1950 - 1959       Otto Seeger, Verw.-Angestellter

1960 - 1972       Paul Fischer, Verw.-Beamter

1973 - 1977       Peter Barth, Verw.-Beamter

1978 - 1980       Ernst Hunkel, Dipl. Vw.

1981 - 1990       Hermann Kloss, Bankkaufmann

1991 - 1992       Dr.Ing. Uwe Görisch, Unternehmer

1993 - 2014       Hartmut Lorek, Berufsoffizier a.D.

 

Auf dem Weg nach Europa -                                                            70 Jahre Kreisverband Karlsruhe Stadt und Land e.V.

Einen interessanten Vortrag finden Sie unter "2018 - Berichte"
und über diesen Link  ... Auf dem Weg nach Europa

Der Kreisverband Karlsruhe Stadt und Land e. V.

Es waren 22 Karlsruher Bürger, die Ende 1947 den Mut hatten, eine Ortsgruppe der EUROPA -UNION in Karlsruhe ins Leben zu rufen. Der erste Vorsitzende war Bürgermeister Fridolin Heurich. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Fritz Corterier, Landrat Josef Gross, Günther Klotz, Karl Konz und andere Persönlichkeiten, die zeitlebens aktiv in der EUROPA-UNION mitgewirkt haben.

Das Interesse der Bürger an der Arbeit der EUROPA-UNION war groß. Der inzwischen gebildete Kreisverband Karlsruhe-Stadt erregte erstes Aufsehen mit einem öffentlichen Gesellschaftsabend im Studentenhaus im Herbst 1948. Neben dem Festredner, Präsident des Wirtschaftsrates Dr. Erich Köhler, waren Landtagspräsident Keil und Konsul Bernhard als Vorsitzende der Landesverbände Württemberg und Baden anwesend. Als hochrangige und angesehene Politiker legten sie das Europa der Zukunft so visionär dar, dass die Presse den Veranstaltungsbericht mit der Überschrift "Durch Europa-Union zum Weltstaat" versehen konnte.

1950 übernahm der Arbeitsamtsdirektor und Stadtrat Karl Konz die Leitung des Kreisverbandes. Zu dieser Zeit war die Europaeuphorie der Nachkriegsjahre bei der Bevölkerung verflogen, obwohl 1951 mit der Gründung der Montanunion ein erster wirtschaftspolitischer Zusammenschluss von sechs europäischen Staaten gelungen war. 1957 folgte die Gründung der Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft mit vielen Vorteilen und positiven Auswirkungen für alle. Die Bürger aber blieben zurückhaltend; die Informationen in Presse, Rundfunk und Fernsehen reichten nicht aus, um Europa der Bevölkerung begreifbar zu machen.

Vorrangige Aufgabe des Kreisverbandes war es daher - und ist es auch heute noch - das Europabewusstsein in der Bevölkerung zu wecken und zu pflegen.

Im Jahre 1954 wurde Prof. Dr. Ing. Reinhold Glatz, Rektor der Fachhoch-schule Karlsruhe, zum Vorsitzenden des Kreisverbandes Karlsruhe gewählt. Er leitete, mit einer kurzen Unterbrechung 1973 - 1977, den Kreisverband bis 1985, nahezu 30 Jahre. Als engagierter und überzeugter Europäer hat er mit seinem Einsatz und seinen Verbindungen den Grundstein für den heute lebendigen und aktiven Verband gelegt.
Sein Tod im Frühjahr 1998 hinterließ eine große Lücke.

Aus der folgenden Zeit, bis in die 70er-Jahre, seien einige herausragende Aktivitäten genannt, bei denen die Zusammenarbeit mit den aktiven Jungen Europäischen Föderalisten, damals unter der Leitung von Bruno Schlageter, eine große Hilfe war:

  • 10-jähriges Jubiläum des Kreisverbandes mit dem früheren französischen Ministerpräsidenten Robert Schuman als Festredner im Dezember 1957
  • EUROPA-Woche im Oktober 1963 unter dem Generalthema "Unser Wille zu Europa" mit großem Europaball in der Schwarzwaldhalle
  • Beteiligung an der 250-Jahr-Feier der Stadt Karlsruhe und 10jährigem Partner­schaftsjubiläum Karlsruhe - Nancy unter der Schirmherrschaft von EWG­Präsident Dr. Walter Hallstein und Ministerpräsident Dr. Kurt-Georg Kiesinger 1965
  • 20-jähriges Jubiläum des Kreisverbandes Karlsruhe im Mai 1967 mit Bundes­minister Carlo Schmid als Festredner
  • EUROPA-AKTION 1968: "Forderung nach gemeinsamer Währung und Abbau der Grenzkontrollen!"

Um die Bürger mit dem Thema EUROPA vertraut zu machen, hat der Kreisverband in den schwierigen europäischen Zeiten, Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre, über längere Zeit hinweg monatlich "Politische Rundgespräche" zur aktuellen Europapolitik veranstaltet. Es waren besonders die Karlsruher Bundestagsabgeordneten Fritz Corterier (SPD), Dr. Peter Corterier (SPD), Dr. Max Güde (CDU) und Dr. Wolfgang Rutschke (FDP), die durch ihre Mitwirkung diesen Veranstaltungen Ansehen und Außenwirkung verschafften.

Regelmäßige Informationsfahrten zum Europarat und zum Europäischen Parlament in Straßburg sollten den Bürgern einen Einblick in die Arbeitsweise der europäischen Institutionen vermitteln. Diese Fahrten erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit.

Mit dem Beschluss des EG-Ministerrates zur Einführung der Direktwahl zum Europaparlament ging eine alte Forderung der EUROPA-UNION Deutschland in Erfüllung. Sofort nach Unterzeichnung der entsprechenden europäischen Rechtsakte ergriff die EUROPA-UNION die Initiative und forderte zur Sicherstellung einer hohen Wahlbeteiligung in der Bundesrepublik Deutschland

  • die Gründung von Direktwahlkomitees auf nationaler und lokaler Ebene sowie
  • die Ernennung von Direktwahlbeauftragten bei den Landesregierungen.

In Baden-Württemberg wurde Minister Eduard Adorno zum Landesbeauftragten für die Europawahl berufen, der mit großem persönlichem Einsatz den Aufbau eines landesweiten Netzes von Wahlkomitees bei den Landkreisen und Gemeinden förderte. In Karlsruhe wurde in einer großen öffentlichen Auftaktveranstaltung im Park-Hotel am 29. 11. 1977 mit dem neu berufenen Landesbeauftragten das "Europawahl-Bezirkskomitee Karlsruhe" gegründet. Vorsitzender des Komitees, das den Bereich Mittelbaden abdeckte, wurde Regierungspräsident Dr. Trudpert Müller.

Das Ergebnis der Wahl am 10.06.79 war als ein erster Einstieg in die Demokratisierung der Europäischen Gemeinschaft mit 66 % Wahlbeteiligung in Deutschland zufriedenstellend. Im Gebiet des Kreisverbandes Karlsruhe Stadt und Land wurden gewählt:
Heinke Salisch aus Karlsruhe (SPD)
Horst Seefeld aus Bretten (SPD)

Unser Kreisverband wurde von 1994 bis 2004 durch unser Mitglied Dr. Konrad Schwaiger(CDU) im Europäischen Parlament vertreten. Sein Nachfolger wurde MdEP Daniel Caspary,  ebenfalls Mitglied im Kreisverband.

Inzwischen hatte der Kreisvorsitz einen Wechsel erfahren: 1985 gab Professor Dr. Reinhold Glatz den Stab weiter an Hanns-Christian Heyer-Stuffer, der den Kreisverband bis 1999 führte und dann den Vorstandsvorsitz an Dieter Scholl weitergab.  

Die großen politischen Themen wie vollendeter Binnenmarkt, gemeinsame Währung, Verträge von Maastricht und Amsterdam bestimmten zunehmend die Arbeit des Kreisverbandes. Dabei erwies sich die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen als sehr förderlich. Als Beispiele seien die Gemeinschaftsveranstaltungen mit der Industrie- und Handelskammer zum Binnenmarkt (1987), mit der Volksbank Karlsruhe zum Euro (1992), mit den Badischen-Neuesten Nachrichten zu "Europa ohne Grenzen - eine Herausforderung für Karlsruhe" (1992) sowie eine dreiteilige Forumsveranstaltung mit der Volkshochschule Karlsruhe "Modell Europa" (1993) genannt. Mit Länderabenden, in Kooperation mit den jeweiligen Botschaften, wurden neue Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft vorgestellt: 1986 Spanien, 1987 Portugal, 1992 Finnland und 1993 Österreich.

2005 übernahm der ehem. MdEP Dr. Konrad Schwaiger den Vorsitz. Von 2009 bis 2014 wurde der Kreisverband durch Hartmut Lorek repräsentiert, der durch seine vielen Beziehungen zu anderen Organisationen ein dichtes europafreundliches Netzwerk spannen konnte. Reisen ins NATO-Hauptquartier, zum internationalen Gerichtshof, nach Zypern und Aachen waren beeindruckende Wegmarken.

2015 bis 2018 war der ehem. MdB Heinz Golombeck Vorsitzender. Auch er organisierte viele Fahrten nach Straßburg in die dortigen Institutionen, wovon nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern auch viele Schulkassen profitierten. Daneben standen Reisen nach Luxemburg, Polen und BeNeLux zu verschiedenen Themen auf dem Programm. In seine Amtszeit fiel auch die Entscheidung des Vereinigten Königreiches, aus der EU auszutreten. Der Brexit und seine Folgen waren daher oft Thema von Veranstaltungen zur Information der Bürger. Schließlich feierte der Verein 2018 sein 70jähriges Jubiläum und pflanzte zur Feier im Otto-Dullenkopf-Park in Karlsruhe sieben  Linden.

Seit 2019 ist Massimo Ferrini Vereinsvorsitzender, tatkräftig unterstützt von aktiven Vorstandsmitgliedern.

Der Kreisverband Karlsruhe Stadt und Land hat seit seiner Gründung die Unterstüt­zung und Förderung durch die demokratischen Parteien, die Gewerkschaften, die deutsch-ausländischen Gesellschaften und die Kommunalverwaltungen erfahren. Besonders intensiv ist  die Zusammenarbeit mit der Stadt Karlsruhe. Dies zeigt sich besonders bei der gemeinsamen Organisation der alljährlichen Europa-Woche Anfang Mai. Ebenso eng ist die Zusammenarbeit mit europe-direct, eine Kontaktstelle im Regierungspräsidium Karlsruhe, die von der Europäischen Union finanziert wird und die dieselben Ziele verfolgt wie wir, den europäischen Gedanken der Bevölkerung näher zu bringen.

Im Kreisvorstand war von Anfang an das Spektrum der gesellschaftlichen Gruppen weitestgehend vertreten. Daher war eine überparteiliche, politische und kulturelle Arbeit für die Europäische Gemeinschaft immer selbstverständlich.